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Intervallfasten mit ärztlicher Begleitung

Seit 30 Jahren arbeite ich als Arzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren und Ernährungsmedizin in meiner Praxis. Ich konnte die rasante Entwicklung der Schulmedizin mit der erfolgreichen Verbesserung der Behandlungsmethoden in Chirurgie, Internistische Medizin und den anderen Fachgebieten verfolgen. Jedoch muss ich zugeben, dass ich während meiner beruflichen Tätigkeit immer wieder an einen Punkt kam, an dem ich mir überlegte, ob man nicht besser an die Ursache der Krankheitsentwicklung geht, um diese vorzubeugen bzw. zu behandeln. So wurde immer stärker mein Interesse für die Naturheilmedizin und insbesondere für die Ernährungsmedizin geweckt.

Vor kurzem fiel mir eine Statistik über die Zunahme der übergewichtigen Menschen in Deutschland in die Hände. Danach leidet schon jedes dritte Kind an Übergewicht und die Zunahme von Stoffwechselerkrankungen in der Gesamtbevölkerung steigt rasant. Die Zukunftsaussichten sind, wenn sich nichts ändert, nicht rosig. Die ernährungsbedingten Gesundheitsprobleme nehmen zu. Die klassischen schulmedizinischen Behandlungsmethoden haben in diesem Bereich der Medizin leider nicht den durchgreifenden Erfolg, da sie oftmals nur symptomatisch angewandt werden.

Wie kann eine Lösung hierfür aussehen?

Unsere Natur hat uns ein riesengroßes Geschenk mitgegeben, mit dem wir unseren Körper besser behandeln können als jedes Medikament. Nämlich Heilung durch Nahrungsentzug. Das hört sich erst einmal ziemlich massiv an. Aber die bekanntesten Wissenschaftler der Welt, die im Bereich Epigenetik und Gerontologie arbeiten, haben festgestellt, dass Nahrungsentzug gesund ist. Um diese Tatsache zu verstehen, müssen wir in die Geschichte der Menschheit schauen. Blicken wir einmal 10 000 Jahre zurück. Die Ureinwohner, ob Neandertaler oder Homo sapiens, waren in ihrem Lebensrhythmus total von dem Circardianen Rhythmus der Natur abhängig. Sie konnten erst auf die Jagd gehen oder Beeren, Früchte und Samen sammeln, wenn es hell wurde. Hatten sie ein Tier erlegt oder genug Wurzeln gefunden, waren sie satt und zufrieden. Oft waren sie aber nicht satt und zufrieden. Sie mußten hungern und warten, bis sie etwas gefangen hatten. Heute kann man die Gene des Menschen entschlüsseln und weiß, dass die Evolution einen idealen Weg gegangen ist. Man weiß auch, dass diese Menschen über eine robuste Gesundheit verfügten.

In den sogenannten Blue Zones, das sind weltweit verteilte Areale, in denen die Menschen besonders alt werden, haben Wissenschaftler feststellt, dass immer wieder Nahrungskarenz, traditionell oder aus religiösen Gründen, eingelegt wurde. Im Bereich der Naturheilmedizin wurde schon seit Jahrzehnten vermutet, dass Nahrungsentzug eine gesundheitsfördernde Wirkung hat. Der Japaner Ohsumi hat für den wissenschaftlichen Beweis, dass zeitweiliger Nahrungsentzug zu einer Zellreinigung (Autophagie) führt, den Nobelpreis erhalten. Ohsumi hatte festgestellt, dass zeitliches Fasten zu Fettabbau, Gewichtsreduktion und zur Autophagie führt.

Hinzu kommt, dass wissenschaftliche Studien bewiesen haben, dass es nicht nur auf die Menge und Qualität des Essens alleine ankommt, sondern auch in welchem Zeitraum gegessen wurde. Folglich kann man in einem engeren Zeitabschnitt die gleiche Menge essen. Hierbei ist ein gesundheitlicher Benefit festzustellen, auf den ich noch später eingehen werde.

Was ist intermittierendes Fasten überhaupt?

Intervallfasten, auch als intermittierendes Fasten bezeichnet, erfreut sich immer größerer Beliebtheit und das hat besondere Gründe. Unter intermittierendem Fasten verstehe ich keine besondere Diät. Es ist vielmehr eine Lebensweise, die man in bestimmten Zeitabschnitten, aber auch sein Leben lang, beibehalten kann. Bei dieser Methode wird zeitweise auf Nahrung verzichtet. Es ist eine vorteilhafte Art Gewicht abzunehmen. Eine Gewichtsreduktion kann hiermit genauso erzielt werden wie die Behandlung einer Erkrankung.

Was passiert eigentlich beim intermittierenden Fasten ?

Nehmen wir z.B. abends um 19 Uhr die letzte Mahlzeit des Tages zu uns, stellt sich der körpereigene Stoffwechsel um. Es beginnt ein spannender, wirkungsvoller Umbau:

Die Fettverbrennung setzt nach 6 – 8 Stunden ein und nimmt nach 12 Stunden exponentiell zu.

Eine Gewichtsabnahme beginnt mit der 12. Stunde des Nahrungsentzug.

Auch beginnt nach der 12. Stunde eine sogenannte Zellreinigung. Dieses Phänomen ist sehr bedeutsam. Es führt zu einer Erneuerung der Zellen. Abgelagerte Stoffe werden in den biochemischen Zellstoffwechsel eingebaut und Abfallstoffe werden entsorgt. Durch das Fasten werden besondere Stoffe wie Sirtuine (Enzyme) und Ketone aktiviert, die diesen Prozeß der Zellreparatur unterstützen und hiermit indirekt das Immunsystem stärken.

Welche Arten von intermittierendem Fasten gibt es?

Intervallfasten bedeutet, dass man Essensphasen mit Zeiten ohne Nahrungsaufnahme kombiniert. Man kann z.B. das Frühstück ausfallen lassen und mit einem Mittagessen die Nahrungsaufnahme beginnen. So kann man auf eine Essenspause von 16 Stunden kommen.

Dies ist die bekannteste Methode, auch als 16 : 8 Methode bezeichnet. Also 16 Stunden Nahrungskarenz und 8 Stunden Nahrungsaufnahme. Wenn Sie in den acht Stunden zwei Hauptmahlzeiten zu sich nehmen, werden Sie nach einiger Zeit merken, dass diese Menge Ihrem Körper vollkommen ausreicht. Man nimmt täglich ca. fünf bis zehn Prozent weniger Kalorien zu sich.

Eine andere bekannte Methode ist die 5 : 2 Form. Hierbei vermindert man an 2 Tagen in der Woche die Kalorienzufuhr um 75 Prozent. An den restlichen Tagen isst man wie gewohnt.

Dies sind die bekanntesten Formen des Intervallfastens. Beim Intervallfasten geht es also nicht um Kalorienzählen, sondern darum, dass Sie Ihre Essenszeiten so ändern, dass Sie größere Essenspausen erreichen.

Die 16:8 Methode ist meines Erachtens am einfachsten in den täglichen Ablauf umzusetzen. Zwischen der letzten Mahlzeit des Vortages und der ersten Mahlzeit des Tages sollen 16 Stunden liegen.In den acht Stunden, in denen man essen darf, werden zwei Mahlzeiten eingenommen. Das könnte z.B. folgendermaßen aussehen:

Abends um 19 Uhr das Essen beenden. Morgens um 11 Uhr erfolgt die erste Mahlzeit. Dazwischen nur kalorienfreie Flüssigkeit: Wasser, Tee, Kaffee (ohne Milch und Zucker). Wie man die 16 Stunden in den Alltag einbaut, ist jedem selbst überlassen. Man sollte darauf achten, dass die Zeit des Schlafens in diesen Rhythmus eingebaut wird, dann fällt es Ihnen leichter Ihr Vorhaben umzusetzen.

Zwischen den Mahlzeiten sollte man Pausen von mindestens vier bis fünf Stunden einhalten. Denn nimmt man zwischendurch Kohlenhydrate zu sich z.B. Keks, Knäckebrot, Säfte oder Milch, dann wandelt der Körper diese in Zucker um. Und dieser geht direkt ins Blut. Es wird ein Anstieg des Blutzuckerspiegels festgestellt. Die Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin aus und stoppt den Fettabbau. Der rasche Insulin-Gipfel im Blut kann zu einer leichten, kurzzeitigen Unterzuckerung und zu Heißhungerattacken führen.

Kann man während der Essensphasen essen was und wieviel man möchte?

Wir sollten uns vor einer Umstellung des Essensrhythmus zum Intervallfastens gründlich überlegen, was wir eigentlich erreichen möchten.

Bei normal gewichtigen Personen ist eine Gewichtsreduktion nicht erwünscht. Aber auch diese Menschen wollen wegen des gesundheitlichen Effektes (Zellreinigung, Verbesserung und Beseitigung von Erkrankungen, Prävention) vom Intervallfasten profitieren. Hier sollte eine individuelle Umstellung des Essensrhythmus erfolgen. Die Essenspausen müssen nicht zwingend 16 Stunden lang sein. Die Autophagie setzt schon nach der 12. Stunde Fasten ein. Die Lebensmittel sollten bei bestehenden Grunderkrankungen angepasst werden. Eine Mengenreduktion ist meistens nicht notwendig.

Bei übergewichtigen Menschen hingegen ist eine Gewichtsreduktion erwünscht. Empfehlenswert sind in den 8 Stunden, in denen gegessen werden darf, zwei Hauptmahlzeiten mit folgender Zusammensetzung der Lebensmitteln:

  • Viel Gemüse, Salat und Obst (Ballaststoffe).
  • Gute Eiweiße (Hülsenfrüchte, Pilze, Eier, Milchprodukte, Fleisch, Fisch).
  • Gesunde Fette (Schwerpunkt ungesättigte Omega-Fettsäuren) = Nüsse, Avocado, Samen, Eidotter, Fische.
  • Kohlenhydrate: Vorzugsweise in langkettiger Form (Vollkorn)
  • Kalorienfreie Getränke: Wasser, Tees
  • Viel Bewegung !!!


Warum ist Intervallfasten so gesund?

Intervallfasten hat eine heilende aber auch vorbeugende Wirkung. Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Wirkungen die wir mit dem Fasten erzielen können:

  • Gewichtsreduktion
  • Zellreinigung (Autophagie)
  • Verbesserung des Fettstoffwechsels
  • Verbesserung des Diabetes mellitus Typ II
  • Verbesserung des Bluthochdruckes. Schon die Gewichtsreduktion führt oft zu einer Senkung eines erhöhten Blutdruckes
  •  Beseitigung von entzündungsbedingten Erkrankungen z.B. Autoimmunerkrankung
  • Vorbeugung von Krebserkrankungen
  • Behandlung von Krebserkrankungen. Hierfür laufen z.Zt. international verschiedene Studien.
    Hoffnungsvolle Zwischenergebnisse lassen darauf deuten, daß Fasten eine bessere Verträglichkeit
    der Chemotherapie bedeuten kann.


Intervallfasten ist natürlich eine sehr positive Lebensumstellung. In meiner praktischen Tätigkeit als Allgemeinarzt und Ernährungsmediziner musste ich jedoch immer wieder feststellen, dass von vielen Menschen das Intervallfasten nicht richtig durchgeführt wurde, weil es einfach zu allgemein in den Medien dargestellt wird. Ich konnte immer wieder beobachten, dass sich Patienten wegen Blutzuckerverschiebungen unwohl fühlten.

Notwendige Medikamente sollten in dieser Zeit der Essensumstellung nicht zu einer ungünstigen Tageszeit oder falsch dosiert eingenommen werden. (Umstellung des Stoffwechsels benötigt zwangsweise auch Anpassung der Medikamentendosierung).

Es gibt eine Menge an Erkrankungen, mit denen Patienten nicht selbstständig in das Intervallfasten einsteigen sollten. Das sind vor allem Patienten mit folgenden Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus, Harnsäurestörung, Schilddrüsenfunktionsstörung, Koronare Herzerkrankung, Z.n. Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruckerkrankungen, niedriger Blutdruck, Menschen mit Angststörung, Autoimmun- und Krebserkrankungen.

Hier halte ich eine ärztliche Begleitung in den ersten Tagen der Essensumstellung für dringend erforderlich. Mit einem richtigen Fahrplan, der auf die besondere Situation des Patienten eingestellt ist, können oben genannte Komplikationen vermieden werden.

Modifiziertes Intervallfasten bei Übergewichtigen

Es gibt besondere Lebenssituationen, in denen es sinnvoll ist, Intermittierendes Fasten mit extra für solche Situationen hergestellten Nahrungsergänzungsmitteln (Shakes) zu unterstützen. In der Einstiegsphase habe ich mit Hilfe der Trinkmahlzeiten sehr gute Erfolge erzielt. Hiermit kann aufgrund einer bilanzierten Zusammenstellung der Lebensmittel eine ausgeglichene Stoffwechselsituation erzielt werden. Es gibt vorzeigbare Studien , die zeigen, dass mit Unterstützung von Nahrungsergänzungsmitteln auch als „Pseudofasten“ bezeichnet, die Patienten deutlich abgenommen hatten. Gleichzeitig war eine deutliche Verbesserung von Körperfett und der Blutdruckwerte nachweisbar. (D .Sinclair) Mit der Bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA) ist es möglich die Körperzusammensetzung (Flüssigkeit, Muskel, Fett (indirekt)) zu bestimmen.

Es lässt sich umso leichter abnehmen, je mehr Muskeln man aufbaut, denn die Fettverbrennung findet im „Verbrennungsofen“ Muskulatur statt. Die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten werden erörtert. In der Ernährungsberatung wird die Ernährung umgestellt und besprochen, wie Sie mehr Bewegung in Ihren Alltag einbauen können.  Sobald Ihr angestrebtes Ziel, nämlich die Umstellung der Ernährung im Intervallfasten erreicht ist, können diese Shakes schrittweise durch Mahlzeiten mit gesunden Lebensmitteln ersetzt werden.

Dr. med. Thomas Winter
Facharzt für Allgemeinmedizin, Ernährungsmedizin,
Akupunktur, Chirotherapie, Naturheilverfahren